Warnstreik der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen am 08. März 2022 – Position des JAEB Köln zum Streik der Fachkräfte

Streik der Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen. Nach zwei Jahren medialer Aufmerksamkeit in der Pandemie sind die Themen Personalmangel, Qualität und Arbeitsbedingungen im pädagogischen Umfeld nach wie vor nicht gelöst. Im Gegenteil.

So sehr der JAEB Köln auch diese Anliegen mittragen kann, so sehr schmerzt dennoch jeder einzelne Tag mit Betreuungsausfall. Waren doch die vergangenen Monate neben Betreuungszeitkürzungen durch Quarantänemaßnahmen geprägt. Nach einer langen Zeit mit massiven Einschnitten für Erziehungsberechtigte und Kinder, zählt demnach jeder einzelne Tag mit einem geregelten sozialen Umfeld für Kinder. Jeder Austausch, jeder Sozialkontakt, jedes Erlebnis für Kinder und natürlich jedes stückweit mehr Normalität für Eltern, die ebenfalls über alle Maße belastet wurden. So mag ein Warnstreik ausgerechnet zum Weltfrauentag zynisch anmuten. Waren es doch in erster Linie die Mütter, die laut Studien in den letzten beiden Jahren ihre Arbeitszeiten reduziert und zu einer Vielzahl Care-Arbeit gestemmt haben.

Damit ihr die Inhalte der Verhandlungsrunden besser versteht, möchten wir euch einen kleinen Überblick bieten.

Zunächst die verschiedenen Positionen

Ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft):

  • Wir fordern die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen!
  • Wir fordern Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel!
  • Wir fordern die finanzielle Anerkennung unserer Arbeit![1]

VKA (Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände):

Bei der diesjährigen Tarifrunde handelt es sich nicht um eine Lohnrunde, vielmehr zielen die Gewerkschaften auf eine pauschale Besserstellung hinsichtlich der Eingruppierung der Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst ab. Diese Eingruppierungen wirken sich dann aber mittelbar auf die Entgelte der hiervon betroffenen Beschäftigten aus.

In Summe wird hier Folgendes ausgedrückt:

Erzieher:innen verdienen bereits ganz gut im Vergleich zu anderen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes (vgl. 3.800 Euro für ein:e Erzieher:in mit 8 Jahren Berufserfahrung).[2]

Das denkt der JAEB Köln über die Forderungen

Wir können die Forderung nach fairem Entgelt, nach einer Entlastung und nach einer Attraktivitätssteigerung des Berufsfeldes sehr gut nachvollziehen und teilen diese. Sowohl Eltern als auch Fachkräften ist gemeinschaftlich viel daran gelegen, dass die Qualität in Einrichtungen verbessert wird. Davon profitieren alle Beteiligten, insbesondere die Kinder.

Zentraler Punkt für den JAEB Köln ist jedoch die Qualität der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Es braucht dringend mehr Fachkräfte, einen besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel, unterstützende Kräfte, die den Fachkräften eine Fokussierung auf die pädagogische Arbeit ermöglichen, gute Raumkonzepte sowie berufliche Perspektiven für pädagogische Fachkräfte, inklusive Weiterbildungsmöglichkeiten.

Der JAEB Köln fordern mehr Kreativität bei der Gewinnung von mehr Fachkräften. In diesem Fall gilt „Post and Pray“ ist keine zeitgemäße Strategie der Personalgewinnung. Es muss nach vielen Jahren des Personalmangels gelingen, ein attraktives Arbeitsfeld zu schaffen. Hier gilt es auch potenzielle Fachkräfte proaktiv anzusprechen und frühzeitig eine Berufsperspektive zu eröffnen.

Kurzum: Dieses so wichtige Feld für einen gelungene Entwicklung von Kindern hat Investitionen, kreative Ideen und gute Konzepte verdient.

Das denkt der JAEB Köln über den Streik

Der JAEB muss an dieser Stelle anmerken: Wir hätten uns kreativere Protestmöglichkeiten gewünscht, die gemeinsam mit allen Beteiligten umgesetzt werden. Streik darf nach so einer belastenden Zeit nur das wirklich letzte Mittel sein. Wir sagen an dieser Stelle: Schade.

Bei aller Solidarität mit den gerechtfertigten Forderungen der Gewerkschaft, trifft ein Warnstreik Eltern und Kinder besonders hart, da abermals wertvolle Betreuungszeit verloren geht, Beiträge aber weiterhin gezahlt werden müssen, wo hingegen Träger durch Mittel aus den Streikkassen entlastet werden.

Nichtsdestotrotz unterstützen wir das Anliegen nach besseren Arbeitsbedingungen für Beschäftigte vollumfänglich. Denn letztendlich bedeutet bessere Qualität in KiTas ein stabiles Umfeld, freie Entfaltungsmöglichkeiten und eine chancengerechte Zukunftsperspektive für Kinder.

Der JAEB unterstützt generell folgende Forderungen der Beschäftigten:

  • dass sich die Tarifpartner zum Wohle der Kinder und Familien auf eine schnelle Kompromisslösung einigen. Hier setzen wir auf die Kompromissbereitschaft beider Vertragspartner. Ein weiterer Streik ist für Eltern mit Kindern nicht hinnehmbar.  
  • dass Investitionen im sozialen Bereich priorisiert werden. Nicht nur Wirtschaftsförderung darf an 1. Stelle stehen. Investitionen in frühkindliche Bildung sind eine Investition in die Zukunft unseres Landes.
  • dass auch nicht kommunale Träger sich an die Gehaltsstufen des öffentlichen Dienstes halten. Wenn hier weiterhin schlechter bezahlt wird, bedeutet das eine hohe Personalfluktuation somit keine Kontinuität bei Bezugspersonen für unsere Kinder. Denn momentan können sich Erzieher*innen ihre Stellen aussuchen. 
  • dass Kinder und deren Familien nicht noch zusätzlich belastet werden. Die Belastung aufgrund des Personalmangels und der Einschränkungen in den letzten beiden Jahren sind bereits sehr hoch.
  • dass die Gewerkschaft in ihren Forderungen unterstützt und Fachkräfteoffensiven gestartet werden.
  • dass im Bereich der frühkindlichen Bildung konkret darauf gesetzt wird, das Berufsbild attraktiver zu gestalten. Denn frühkindliche Bildung hat mit rund 13,8% die höchste Rendite

Was Kita sein soll

Eine Kita ist dafür da, Kinder zu fördern, ihnen einen Lebensraum zur psycho-sozialen Entwicklung zu bieten und die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren. Bereits hier ist es wesentlich, Grundzüge demokratischer Prozesse kennenzulernen und Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Deshalb: Eine KiTa darf nicht zu einem Ort der „Aufbewahrung“ verkommen, in der neben Aufsicht kaum Platz für pädagogische Arbeit bleibt. Leider stoßen Fachkräfte und Eltern bei dem momentanen Personalmangel sehr oft an Grenzen.  

Die KiTa ist ein Ort, an dem Kinder lernen und zwar alles von A wie „alleine anziehen“ bis Z wie „zusammenhalten“. Sie ist ein Ort, an dem Kinder sich etwas trauen, soziales Miteinander erproben, sich beschützt fühlen und sich frei entfalten können.


[1] Mehr braucht mehr! – ver.di (verdi.de)

[2]  220218_Flyer_SuE-Die__Forderungen_der_VKA.pdf

Web_VKA_Fakten_und_Argumente_Sozial-_und_Erziehungsdienst_2022.pdf