Wir möchten uns heute bei euch bedanken, dass ihr euch so konstruktiv in die Fragen- und Antwortenrunde zum Thema „Pooltestungen in Kölner KiTas“ eingebracht habt.
Besonders herzlich bedanken wir uns bei Prof. Dr. Jörg Dötsch (Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin DGKJ und Mitglied des Expertenrates der Bundesregierung), dass er uns so geduldig und verständlich durch das schwierige Thema im Spannungsfeld zwischen Testungen und Normalität für Kinder begleitet hat. Wir freuen uns, dass wirklich wichtige und drängende Fragen, die uns als Kölner KiTa-Eltern und deren Vertretung sehr beschäftigt haben, geklärt werden konnten.

Wir haben euch ein paar Fragen und Antworten aus dem Webinar zusammengestellt und hoffen, sie helfen euch, die aktuelle Situation etwas besser einzuschätzen.

Wie sinnvoll ist das Pooltestverfahren aktuell?

Prof. Dötsch: Dadurch, dass wir es mit Omikron mit einer sehr ansteckenden Variante zu tun haben und die Zahlen gerade entsprechend hoch sind, stößt dieses Testsystem an seine Grenzen. Das äußert sich darin, dass sehr viele Pools immer positiv sind.

Sind Infektionskettenunterbrechungen unter Omikron durch Pooltests überhaupt noch möglich?

Prof. Dötsch: Nicht in dem Ausmaß wie wir das bislang kannten. Ein Teil der Ketten kann erfasst werden, aber sicher nicht alle.

Können wir denn jetzt die Kinder wieder Kinder sein lassen, mit allem, was dazu gehört?

Prof. Dötsch: Ich würde sagen, in den meisten Situationen, ja. Unter zwei Voraussetzungen: Wenn ältere Menschen in der Umgebung der Kinder sind, dann müssen diese sich unbedingt boostern lassen (auch ein zweites Mal, bei über 70jährigen). Auch schwer (vor)erkrankte Menschen müssen geschützt werden!

Wie stehen Sie zu dem Narrativ der Kinder als Gefährder?

Prof. Dötsch: Die Wortwahl ist ganz, ganz schrecklich und erinnert an Terroristen! Wir kämpfen mit allen Mitteln dagegen, dass die Kinder so diffamiert werden. Kinder waren und sind keine Pandemietreiber, sondern uns als Schutzbedürftige anvertraut! Ich halte es für schädlich, Kinder als verantwortlich dafür zu bezeichnen, Erwachsene anzustecken und ihnen Schuldgefühle zu vermitteln. Erwachsene sind zu aller erst verantwortlich dafür, dass sie selbst und die vulnerablen Gruppen geschützt werden. Solange so viele von uns Erwachsenen noch nicht geimpft sind, müssen wir vor der eigenen Haustür kehren.

Empfehlungen an das KiTa-Personal bei persönlicher Angst vor Ansteckung:

Prof. Dötsch: Sich impfen lassen, inklusive Booster. Ansonsten sind (FFP2-)Masken das Mittel der Wahl zum Selbstschutz.

Wie belastend sind die Testungen für Kinder?

Prof. Dötsch: Die Lollitests selbst sind überhaupt nicht belastend für die Kinder. Die ständige Alltagsunterbrechung oder ein positives Ergebnis sind natürlich schon eine große Belastung für die Familie.

Wie begründet ist die Sorge vor Long Covid?

In den beiden großen Kinderkliniken von Köln (Uniklinik und Amsterdamerstr.) waren es in den 2 Jahren Pandemie 25-30 betroffene Kinder, das jüngste im Grundschulalter. In den meisten Fällen waren die Symptome nach eine paar Wochen, spätestens nach ein paar Monaten vorbei.
Schwierig bei der Diagnose ist, dass die Long-Covid-Symptome zum Großteil die gleichen sind, wie sie auch durch die Belastungen der Pandemie (Lockdown, Ausschluss aus KiTa, Belastungen in der Familie…) auftreten.

(Links zu Studien bei Long COVID von Kindern siehe unten)

Wie lange machen wir das noch mit den Kindern und mit welchem Ziel?

Prof. Dötsch: Wichtig ist, dass der Nutzen der Testungen die Probleme, die damit einhergehen, überwiegen! Aktuell scheint das mit den Testungen in den KiTas nicht mehr der Fall zu sein. Daher ist es aktuell die Empfehlung der Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendgesundheit, anlassloses Testen einzustellen.

Was wäre denn zum Beispiel ein Anlass zum Testen?

Prof. Dötsch: Wenn z.B. eine Person einer vulnerablen Gruppe in der KiTa-Gruppe ist, die geschützt werden muss (Beispiele: Kind mit Trisomie 21, Diabetes oder schwerer Adipositas; Nierentransplantierte Erzieherin). Oder wenn eine neue Variante auftaucht, die aufgehalten werden muss.

Am Schluss folgt auch noch unser Fazit als JAEB Köln

Im letzen Jahr haben wir uns als JAEB Köln sehr für die Pooltestungen eingesetzt und diese als kinderfreundliches Mittel begrüßt, um den KiTa-Betrieb für alle zu sichern. Wir danken der Stadt Köln, dass sie diesen Weg gegangen ist. Doch muss jedes Mittel der aktuellen Lage angepasst und stets neu bewertet werden.

Wegen der hohen Infektionszahlen durch die Omicron-Variante lassen sich Infektionsketten in der Bevölkerung nicht mehr nachverfolgen oder unterbrechen, schon gar nicht durch anlasslose Routine-Testungen, die allein in KiTas vorgenommen werden. Hinzu kommt, dass die mit Omicron verbundene Krankheitslast noch dreimal geringer ist als die durch Delta.

Unter diesen Voraussetzungen stellt das Testverfahren kein geeignetes Mittel mehr dar, um einen deutlichen Mehrwert für alle Beteiligten im System KiTa zu bieten. Eine gefühlte Sicherheit rechtfertigt nicht, dass Kinder erneut eingeschränkt und bis zum Auflösen der Pooltestungen von der Betreuung abgeschnitten werden. Auch für Eltern bedeutet ein erneuter Betreuungsausfall ein weiterer Einschnitt. Weitere Testungen in KiTas sind insbesondere deshalb unverhältnismäßig, weil zeitgleich weitreichende Lockerungen in NRW beschlossen wurden, die nicht nur für alle anderen Bevölkerungsschichten gelten, sondern auch für sämtliche KiTa-Betriebe außerhalb Kölns. Der Sonderweg, den Köln hier geht, können wir aus genannten Gründen als JAEB Köln nicht mittragen.

Der Forderung der pädiatrischen Fachgesellschaften zum Einstellen der anlasslosen Tests in den KiTas schließen wir uns als JAEB Köln daher in aller Deutlichkeit an!

Wir möchten alle Eltern darauf hinweisen, dass die Teilnahme an den Testungen freiwillig ist. Nur im Kontaktfall tritt eine Testpflicht ein, die Vorausaussetzung für die Teilnahme an dem Betreuungsangebot ist. KiTas können nun entscheiden, ob sie weiterhin an dem Angebot Pooltestungen teilnehmen möchten. Alle Elternbeirat:innen müssen laut §10 Abs. 4 KiBiz über alle Entscheidungen rechtzeitig und umfassend vom Träger und der Leitung informiert werden. Gestaltungshinweise hat der Träger angemessen zu berücksichtigen.

Zum 04. April 2022 ist es möglich als Einrichtung zu dem Testkonzept des Landes zu wechseln, das den KiTa-Betrieb mittels Schnelltests sicherstellt. Das Konzept findet ihr in der Betreuungsverordnung des Landes (§4 Abs. 5 CoronaBetrVO). Im Kontaktfall gilt hier, dass alle nicht immunisierten Personen in den folgenden zehn Tagen mindestens vier Mal mittels eines Coronaschnelltests oder Coronaselbsttests getestet werden müssen, um fortlaufend am KiTa-Betrieb teilnehmen zu dürfen. Die Testungen finden zuhause statt. Eltern bestätigen die Teilnahme an den verpflichtenden Tests per Unterschrift auf einem Formular.

Hier findet ihr unsere Kurzpräsentation zum Webinar.

Weitere Informationen:

Hier geht es zur Stellungnahme der Expert:innen des Familienministeriums (MKFFI).

Long-COVID bei Kindern ist ein bislang nicht definiertes Krankheitsbild ohne genaue Kenntnis über die Anzahl möglicher Fälle, das ein breites Spektrum unspezifischer Beschwerden umfasst, wie sie Kinderärzt:innen auch von anderen Infektionskrankheiten lange bekannt sind. Studien zu Long-COVID müssen unbedingt eine Kontrollgruppe einschließen, denn nicht nur nach einer SARS-CoV-2-Infektion, sondern auch nach anderen Infektionen der Atemwege können Kinder lange beeinträchtigt sein. Wichtig ist der Ausschluss anderer Krankheitsursachen. Ohne geeignete Kontrollgruppen können Symptome nicht automatisch COVID-19 zugeordnet werden, wie es auch Prof. Dötsch im Webinar sagte. Insbesondere müssen auch psychische Folgen der durch die Pandemiepolitik belasteten Kinder (u.a. KiTa-Schließungen, Freizeiteinschränkungen und Kontaktverbote) differentialdiagnostisch berücksichtigt werden, um die Frage beantworten zu können, ob es sich bei diesem Symptomenkomplex um Long-COVID oder Long Pandemic handelt. Glücklicherweise ist die Zahl der betroffenen Kinder sehr gering.

Hier der Link zur größten Studie zu Long COVID bei Kindern aus Dänemark.

Hier der Link zu einer ebenfalls großen Studie aus UK.

Hier findet ihr Informationen und Daten zu PIMS bei Kindern. PIMS ist ein Mulitentzündungssyndrom in Folge einer Corona-Infektion bei Kindern und tritt glücklicherweise nur äußerst selten auf.

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